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  Gabi Delgado (DAF)   




„Schon zu Techno-Zeiten wusste ich, dass Musik keine Zukunftsbranche ist. Es war mir zwar bewusst, dass es ein paar Jahre geht, aber mir bedeutet Unabhängigkeit sehr viel. Ich wollte nicht in die Position kommen, dass ich die nächste Platte machen muss, da das Konto nicht stimmt. Ich will mich nicht an Regeln halten, damit etwas erfolgreich ist. Das, was einem am meisten bedeutet, muss frei von finanziellen Zwängen sein.“

Gabi Delgado-López, der Mann, der dies sagt, ist nicht weniger als eine deutsche Musikerlegende. Zusammen mit dem ebenso namhaften Produzenten Conny Plank und seinem Partner Robert Görl erschuf er unter dem Moniker DAF Songs wie „Kebab-Träume“, „Tanz den Mussolini“ oder „Der Räuber und der Prinz“ – und verantwortete so den homoerotischen Techno-Blueprint für die "Verschwendete Jugend" der 1980er in Westdeutschland.

Nun sitzt Delgado auf der Dachterrasse eines kleinen Hotels in Córdoba (Andalusien), seiner Geburtsstadt. 19 Jahre hat er in Berlin gelebt, bevor er sich zur Rückkehr in die spanische Heimat entschied. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt liegt das Haus seiner Großmutter, bei der er aufgewachsen ist, nachdem seine Eltern vor dem Franco-Regime über die Pyrenäen nach Deutschland geflüchtet waren. Mit acht Jahren durfte er ihnen schließlich folgen.

Den Ausschlag zur Rückkehr hat nach all den kalten Berliner Wintern zwar das ganzjährig warme Wetter in seiner Heimat gegeben, aber auch die Sättigung mit der urdeutschen Überreglementierung und diesem ganz speziellen Pessimismus.

Überhaupt schätzt Gabi Delgado die Lebensmentalität Andalusiens, die geprägt ist von einer Ritualisierung des Alltags. „Entgegen der neuen Welt, die alles zu jeder Zeit bieten will – in New York kannst du ja immer einen Donut essen –, gibt es hier gewisse Sachen nur zu bestimmten Zeiten – ansonsten sind das schlechte Stunden dafür, wie man zu sagen pflegt.“

All diese Eigenarten hatte der junge Delgado auch im Gepäck, als er an einem Weihnachtsabend des Jahres 1966 in Remscheid-Lennep im Ruhrgebiet ankam. „Es war ein Kulturschock“, erinnert er sich. „Aber durch meine Immigrantengeschichte habe ich ein anderes Verständnis der deutschen Sprache.“ Eines, das von frühen DAF-Tagen bis heute seine Texte auszeichnet. „Es gibt im Deutschen ja sehr viele Silben, weswegen der Imperativ die kürzeste Form ist, etwas zu sagen“, erklärt er. „Ein Wort wie 'Nebelmaschine' ist fast unmöglich zu singen. Aber genau diese deutschen Worte reizen mich.“

Delgados Texte werden bis heute für ihre Dichte geschätzt. Man vermutet dahinter einen langen Prozess des Feilens. Doch ganz gegenteilig arbeitet er seit jeher sehr intuitiv, nimmt sich in einem Stand-Up-artigen Prozess die Worte, die ihm durch den Kopf schwirren, und die er „für toll und sexy“ hält. „Es gibt Sender und Empfänger“, bringt Delgado die Kommunikation, die er aus diesen Einzelwörtern und Imperativen entwirft, auf den Punkt. „Man könnte sich ja auch einen Erzähler vorstellen, der nur Fragen aufwirft. Aber das gefällt mir nicht.“

Eines der auffälligsten Stücke ist passenderweise „Hausarrest“. Es handelt davon, dass sich zwei Liebende 30 Tage unter Zwangsarrest setzen und außer Sex nichts machen. „Die Leute fragen mich immer, warum ich so viele Sex-Tracks produziere. Für mich ist Sexualität die Sprache der Liebe, einer der schönsten Triebe des Menschen. Es gibt ja nicht so viele Bereiche, wo man eine Entäußerung erfahren kann, ganz und gar aus sich heraus zu gehen vermag.“ Auf die Frage, ob dem Text ein autobiografischer Hintergrund anhaftet, merkt er an, dass er derartiges schon erlebt und genossen habe, wie er überhaupt alles mal ausprobiert hätte im Leben, was ihn gereizt hätte. „Ich mag es, mich aus der Welt in einen geschlossenen Raum zurückzuziehen. Da verschieben sich schnell die Grenzen, wenn beide ihr Einverständnis geben.“

Ein anderes, wichtiges Stück ist „Begrüßungsgeld“, mit dem Delgado an den Song „Puppen“ seines Albums „1“ anschließt. Dort widmet er sich wieder dem Thema Asyl und bringt so einmal mehr das explizit Politische in seine Musik ein. Sein Kommentar zum 25jährigen Jubiläum des Mauerfalls lässt keinen Zweifel daran, dass er den Verlauf der Geschichte nicht unkritisch sieht: „Ich gebe dir Begrüßungsgeld, damit der Anfang leichter fällt. Vorwärts immer und rückwärts nimmer. Willkommen im Kapitalismus. Ich hab dir 100 Mark gegeben. Mit etwas Glück und Optimismus wirst du es sicher überleben.“

Doch auch die weniger direkten Songs auf „2“, die vom Ausgehen und Tanzen und Drogennehmen handeln, zeugen von einem Autor, für den die Trennung von privat und öffentlich genauso wenig existiert, wie jene zwischen politisch und unpolitisch. „Alles ist politisch, insbesondere das Aufgehen im Körperlichen. Die Mächtigen sind in alten Zeiten – ich spreche von der Kirche – so vehement gegen die Körperlichkeit vorgegangen, da sie Angst vor Machtverlust hatten. In rauschartigen Zuständen passieren Revolutionen. Es ist die Vorbedingung, damit man die Angst vor den Repressionen überwindet.“

Auch auf „2“ singt Gabi Delgado wieder einige Stücke auf Spanisch. Automatisch muss man bei diesen Songs an zeitgemäße elektronische Musik mit spanischen Texten von Labels wie Comeme denken – und liegt damit nicht so falsch: Gabi Delgado hat seine Ohren trotz seiner mittlerweile 57 Jahre immer am Zeitgeist. Wobei er sich derzeit am meisten für Tektonik interessiert, einen neuen Stil aus Frankreich, „der viele Elektroeinflüsse aufweist, aber nicht wirklich Elektro ist“, wie er berichtet. „Tektonik ist wie HipHop früher eine klassische Ghettomusik, die neben der Musik auch Tanz und Performance umfasst.“

Diese Einflüsse haben Gabi Delgado – seit jeher kein Produzent, der es sich in seinem Status Quo bequem macht – darin bestätigt, einmal mehr Neuland zu betreten. Er, der zu Punk-Zeiten die Maschinen suchte, da er nicht regressiv an dem Instrumentarium der Eltern (Gitarre, Bass, Schlagzeug) festhalten wollte, produziert nun mit zeitgemäßen Consumer Electronics wie der Playstation, Apps und vor allem modularen Synthesizern seinen ganz speziellen Gabi-Delgado-Hybrid aus Disco, House, Electro – und eben einem neuen Stil wie Tektonik. Er sei ein „Verfechter des Endes der analogen Synthesizer“, gibt er zu verstehen. „Ich denke, dass sie ausgedient haben und ins Museum oder auf die Müllhalde gehören. Sie sind 40 Jahre alt und klingen nicht mehr gut.“ Die Retromania, das Nostalgische, das an ihrer Verehrung dranhängt, stößt ihn regelrecht ab. „Ich halte das für einen gefährlichen gesellschaftlichen Trend. Das geht weit über einen Konservatismus hinaus."

„2“, das nur ein Jahr nach „1“ erscheint und als Doppelalbum mit 32 (!) * Songs angelegt ist, zeugt von der ungebremsten Produktivität Gabi Delgados, von dem es zuletzt das Gratis-Album „X“ sowie ein Datenstick-Elektro-Album gab. Nach einer langen Zeit der Soundforschung, in der er nur an Bässen gebastelt habe, sei es nun wieder Zeit zum Veröffentlichen, betont er. Schließlich habe er, und er meint das absolut ernst, circa „130 super Stücke vorliegen“.

So selbstzufrieden das wirken könnte, ist dieser selbstbewusste Blick auf den eigenen Output doch vor allem das Ergebnis des konsequent gesuchten Rückkanals zu seinen Fans. Denn Mitbestimmung spielt eine große Rolle bei Gabi Delgado, er will einen neuen „Prototyp des Popstars“ schaffen, wie er es ausdrückt. Dazu pflegt er auf Facebook, Mixcloud und Youtube über 40 Gruppen zu spezifischen Themen mit Fans und anderen Künstlern. „Ich will nicht wie andere 100.000 Follower haben auf meinen Pages“, erklärt er. „Alle denken im Internet falsch. Wenn die Gruppen 3000 Leute erreichen, nehme ich keine mehr auf und gründe lieber eine neue. Das ist wie Zellteilung.“ So unterhält er mittlerweile zum Beispiel eine Gruppe zu „Art, Music, Films“, eine für Schauspieler, eine für Modedesigner und eine für „Performance und Dance“ – und bekommt so nicht nur konkretes Feedback auf seine neuen Songs, sondern auch Ideeninput aus den unterschiedlichsten Feldern für seine Texte. Wer sich nun wundert, wie Gabi Delgado so viel Kommunikation und so viele Produktionen gestemmt bekommt, wo man selbst doch schon mit einem Zehntel zufrieden wäre, der sei getröstet: er hat einen ganz speziellen Metabolismus! „Ich schlafe nur, wenn die Batterie wirklich alle ist – so alle zwei Tage. Dann bin ich aber total müde und lege mich vier, fünf Stunden am Stück hin.“

Faszinierend. Wie man sich überhaupt der Anziehungskraft dieses Ausnahmekünstlers nur schwer entziehen kann. Gabi Delgado muss niemand mehr etwas beweisen – und aus dieser unabhängigen und freien Position heraus entsendet er mit „2“ ein Album, wie es aktueller nicht sein könnte.




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  More Infos & Contact:

  www.gabidelgado.com

  GabiDelgado@facebook

  GabiDelgado@youtube

  Releases:



"2"
(Album 2015)



"Hausarrest / NDKM"
(Single 2015)



"1"
(Album 2014)



"Nebelmaschine / Lippenstift"
(EP 2014)

  Downloads:

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